Die natürliche Ernährung des Menschen Teil 2 – 12 Fakten zur Ernährungsphysiologie des Menschen

Ernährungsphysiologie des Menschen - gibt es eine natürliche Ernährungsweise?

Im zweiten Teil meiner Reihe „die natürliche Ernährung des Menschen“ (Teil 1 findest du hier) beschäftige ich mich mit der Ernährungsphysiologie des Menschen und der Frage, ob der Mensch von Natur aus ein Fleisch-, Alles-, oder Pflanzenfresser ist – falls dies überhaupt pauschalisiert beantwortet werden kann. Bevor wir jedoch zu den Fakten kommen vorab eine kurze Übersicht über die verschiedenen „Esstypen“, die bei Tier und Mensch existieren:

Verschiedene Esstypen bei Tier und Mensch

  • Omnivore: klassische Allesfresser, welche Pflanzen und Tiere essen.
  • Herbivore: bezeichnet die Spezien, die sich ausschließlich von Pflanzen ernähren.
  • Karnivore: sind das „Gegenteil“ von Herbivoren und ernähren sich (fast) ausschließlich von tierischen Geweben.

Und nun betrachten wir mal wertfrei ein paar Fakten, die die Forschung zur Ernährungshistorie des Menschen herausgefunden hat. Diese beziehen sich in erster Linie auf den Körperbau und die Anatomie des Menschen.

12 Fakten zur Ernährungsphysiologie des Menschen [1]

  1. Der Verdauungstrakt des Menschen weist hinsichtlich seiner Proportionen und Größen hauptsächlich auf eine omnivore Ernährung mit einem großen Pflanzenanteil hin.
  2. Der menschliche Dickdarm enthält „Tänien und Haustren“, welche vor allem bei Herbivoren und Omnivoren mit einem hauptsächlichen Anteil pflanzlicher Kost vorkommen.
  3. Der Mensch kann Vitamin C im Körper nicht selbst herstellen und muss es über pflanzliche Nahrung aufnehmen wohingegen karnivore Lebewesen Vitamin C selbst synthetisieren können.
  4. Vitamin B12 ist ein wasserlösliches Vitamin, welches eine ungewöhnlich lange Speicherdauer im Körper aufweist. Dies kann darauf hindeuten, dass der Mensch immer schon lange Perioden ohne Fleisch auskommen musste.
  5. Wir Menschen besitzen Mahlzähne mit relativ dickem Zahnschmelz – dies findet sich vor allem bei Lebewesen, die hauptsächlich ballaststoffhaltige, pflanzliche Nahrung konsumieren.
  6. Unser Speichel setzt beim Essen von Kohlenhydraten Amylasen frei, um die Stärke mittels Enzymen abzubauen. Dies ist ebenfalls ein herbivores Merkmal.
  7. Tierische Lebensmittel wie Fleisch enthalten Purin, welches im Stoffwechsel zu Harnsäure umgewandelt wird und mittels dem Enzym Urikase abgebaut wird – allerdings kann der Mensch dieses Enzym nicht bilden und dementsprechend Harnsäure schwer abbauen. Erhöhte Harnnsäurewerte jedoch können zu Gicht und möglicherweise Herzkreislauferkrankungen führen.
  8. Karnivore Tiere können die Geschmacksrichtung süß nicht wahrnehmen – der Mensch schon.
  9. Nicht bewiesen, aber vermutet: im Mensch könnte eine anatomische und pysiologische Anpassung an gekochte Nahrung stattgefunden haben.
  10. Bisher konnte die Wissenschaft nicht belegen, dass der Mensch sich evolutionär an eine bestimmte Ernährungsform angepasst hat. Auch ist das erste Ziel der Evolution kurzfristiges überleben und fortpflanzen – nicht ein langes Leben mit guter Gesundheit.
  11. Es gibt zwar einige anatomische Eigenschaften und Hypothesen die darauf schließen ließen, dass der Mensch sein Gehirn aufgrund von Fleischkomsum erhalten hat. Allerdings beweist das noch lange keine ideale, gesunde, nachhaltige und umweltfreundliche Ernährungsform.
  12. Ernährungsform ist gerade heutzutage häufig auch durch die Kultur geprägt – früher, bevor der Handel im großen Ausmaß möglich war, mussten die Menschen essen, was in ihren Breiten wuchs oder eben nicht wuchs. So gab und gibt es noch heute Völker, die sich (fast) ausschließlich von Fleisch ernähren und umgekehrt Völker, die sich (fast) ausschließlich von pflanzlicher Kost ernähren. Bisher ist der Mensch trotz solcher Extreme nicht ausgestorben, was darauf hindeutet, dass es eben nicht die eine Ernährungsform gibt.

Und was sagt uns all dies jetzt?

Tja, schwer zu sagen oder? Wie schon in einigen anderen Blogeinträgen von mir muss ich auch hier mal wieder sagen – es gibt kein schwarz und weiß…. Die dargestellten Punkte besagen weder, dass der Mensch ein Fleischfresser, noch, dass er ein Veganer ist. Aber die Punkte deuten zumindest sehr stark daraufhin, dass der Mensch nicht auf den Verzehr solch hoher Mengen Fleisch und anderer tierischer Produkte ausgelegt ist, die ein Großteil der Bevölkerung heute zu sich nimmt. Es hat ja auch einen Grund, dass wir zwar zum einen heutzutage immer älter werden, aber zum anderen, dass die Zivilisationskrankheiten wie Krebs, Herz-/Kreislauf oder Diabetes immer mehr zunehmen und zu hohen Todeszahlen führen.

Am Ende müssen wir für uns selbst entscheiden, mit welcher Ernährungsform wir uns wohl, gesund und fit fühlen und welche Risiken wir ggf. für unsere Gesundheit eingehen wollen. Dass die vegane Ernährung jedoch aus Umweltperspektive und aus ehtischer Sicht einige Vorteile gegenüber der anderen Formen liefert, ist ein anderes Thema für die Zukunft….

Quellen:
[1] die Punkte 1-11 stammen aus meiner Ausbildung bei der ecodemy® aus dem Lernskript Teil 2 „Entwicklungsgeschichte der Ernährung des Menschen“

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