Nachhaltigkeit – ein Gewissenskonflikt

Nachhaltigkeit und der Butterflyeffect

Ich möchte meinen Blog gleich mit einem schwierigen und diskussionsreichen Thema beginnen, der Frage nach der Nachhaltigkeit und dessen Bedeutung und Umsetzung im Alltag. Ist nachhaltiger Konsum überhaupt möglich? Bevor ich aber in Diskussionen und Sinnfragen mit mir selbst abdrifte, schauen wir uns doch ein paar allgemeingültige Definitionen an.

WIKIPEDIA schreibt über Nachhaltigkeit sinngemäß, dass die auf der Welt zur Verfügung stehenden Ressourcen nur in soweit genutzt werden dürfen, wie diese entsprechend nachwachsen, natürliche Regenerationsfähigkeit also gegeben ist. [1]

Der Brundtland-Bericht von 1987 hat den Begriff der Nachhaltigkeit formaljuristisch erstmals wie folgt festgehalten: „Dauerhafte Entwicklung ist Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, daß künftige Generationen ihre Bedürfnisse nicht befriedigen können“.[2]

Dass der Begriff der Nachhaltigkeit nicht nur einen wirtschaftlichen, sondern auch einen ethischen Charakter hat, zeigt sich vor allem im Hinblick auf Klimaveränderungen, Umweltverschmutzungen und weltweiter Armut. So stützt sich die Nachhaltigkeit auf drei Säulen – Ökologie, Ökonomie und Soziales – alle drei Säulen müssen im Einklang sein, um die Nachhaltigkeit sicher zu tragen. Handlungen an einer Säule in der Gegenwart beeinflussen die Zukunft (einer anderen Säule) positiv oder negativ. [3]

Nachhaltigkeit – eine philosophische Frage?

Ich glaube für den Moment wird klar, worauf die Definitionen alle abzielen – der Welt und ihrer Lebewesen sollen durch Aktivitäten der Gegenwart in der Zukunft kein Schaden entstehen. Da muss ich gerade an den „Butterfly-Effect“ denken – passt zwar nicht zu der Biene auf dem Bild, aber Insekt ist Insekt 😉 (zumindest für den Moment). Im Alltag glauben die meisten, dass ein winziger Flügelschlag nichts bewirkt, doch wer weiß, welcher Tornado an einer anderen Stelle entsteht? Genau so verhält es sich doch z.B. mit den Konsumentscheidungen der Menschen und den Einfluss auf die Umwelt.

Die wahren Auswirkungen unserer heutigen Entscheidungen werden nicht sofort sichtbar, teilweise müssen wir diese Auswirkungen erst suchen, weil unsere Welt und das Wirtschaftsystem gar nicht möchte, dass wir alles wahrnehmen. Denkt nur mal an die Modebranche und die FastFashion – jeder weiß (theoretisch), wie kritisch es um die Länder wie Bangladesch steht, wie sehr die Arbeiter ausgebeutet werden und gesundheitlich geschädigt werden, wie sehr die Umwelt leidet. Doch hat jemand schon mal einen Werbeslogan gesehen, in welchem die Hersteller so etwas sagen wie „wir beuten aus, wir schaden der Umwelt, nur damit es für euch billig ist“? Vermutlich nicht… falls doch, würde ich mich hierzu über einen Kommentar freuen. Aber bevor ich zu sehr abdrifte, ich glaube ihr wisst, worauf ich hinaus will.

Einen Absatz muss ich noch einschieben zum Thema „nachhaltige Produktion“ – ich glaube gerade hier versucht uns die Wirtschaft oft mit greenwashing zu täuschen, was nicht heißen soll, dass nicht auch nachhaltig produziert werden kann. Aber kennen die meisten von uns nicht Produkte, die uns suggerieren sollen, etwas grünes zu sein, umweltschonend hergestellt worden zu sein, dabei wäre das Beste, dieses Produkt gar nicht zu nutzen? Dennoch kann nachhaltige Produktion funktionieren, wenn Unternehmen z.B. darauf achten, dass sie ihren CO2-Ausstoß klein halten, kompensieren oder eben ihre verbrauchten Ressourcen nachbauen. Trotzdem stelle ich mir auch hier ab einem Punkt die Frage, ob das dann noch natürlich und sinnvoll ist, oder nicht eher eine Art freikaufen. Die Wahrheit liegt vermutlich in der Mitte.

Auch gibt es genügend Produkte, mit denen uns versprochen wird, einen nachhaltigen Lebensstil führen zu können, wie z.B. wiederverwendbare Gegenstände. Das ist auch per se nicht schlecht, dennoch sollten wir auch hier vor einem Kauf immer bedenken, ob wir nicht etwas zu Hause haben, das den gleichen Nutzen bereits erfüllt. Nichts ist besser, als bereits vorhandenes möglichst lange zu nutzen und wenn möglich, umzufunktionieren, ansttat vermeintlich nachhaltige Produkte neu zu erwerben. Denkt z.B. an Wasserflaschen – bevor ihr euch eine wiederverwendbare Flasche neu kauft, kann es sinnvoller sein, bereits vorhandene Mehrwegflaschen oder Gläser für unterwegs mitzunehmen. Die Liste der Beispiele ist lang und soll an dieser Stelle erstmal nicht weiter ausgeführt werden.

Und was ist nun die Antwort auf die Frage der Nachhaltigkeit?

Zurück zur Nachhaltigkeit – wenn wir die Definitionen auf unseren Alltag anwenden, speziell möchte ich auf den Konsum von klassischen Konsumgütern hinaus (Mode, Elektronik, Lifestyleprodukte, Aktivitäten… auf den Begriff Konsum möchte ich im Detail nicht eingehen, ich verstehe hierunter den Vebrauch von Gütern aller Art, egal ob Grundbedürfnis oder Luxusgut ), dann ist ein erster guter Ansatz anstatt des Neukaufs der Erwerb von gebrauchten Gegenständen, die bereits auf dem Markt exisitieren und somit keine neuen Ressourcen und Rohstoffe verbrauchen. Gebraucht kaufen funktioniert natürlich in der Regel nicht für Lebensmittel, hier kommen dann Vorgehensweisen wie regional kaufen und bewusst konsumieren ins Spiel, darauf möchte ich dann aber in einem anderen Beitrag eingehen.

Wenn ich mich jetzt auf den Konsum von Gütern der „klassischen“ Bereiche wie Mode, Elektronik und Co. beziehe, dann stelle ich mir ganz oft die Frage, ob gebraucht kaufen wirklich besser ist, oder ob gar nicht kaufen nicht noch besser ist? Gebrauchte Gegenstände müssen nicht mehr produziert werden, dementsprechend steigern sie nicht in dem Sinne die Nachfrage, wie der Kauf von neuen Gütern das tut. Mittlerweile gibt es aber genügend professionelle Betriebe, Platformen und Co., auf welchen gebrauchte Gegenstände in Massen angeboten werden – steigert das nicht indirekt doch wieder die Nachfrage? Und betreibe ich am Ende nicht greenwashing mit mir selbst wenn ich alles mögliche kaufe, mich aber damit tröste, dass es ja gebraucht gekauft wurde? Versteht mich nicht falsch, ich selbst konsumiere und kaufe auch und habe sicherlich immer noch zu viele Gegenstände, als zum blanken überleben nötig sind. Seit zwei Jahren kaufe ich zumindest zu 95% gebraucht und habe meinen Konsum generell stark hinterfragt, sodass ich insgesamt auch deutlich weniger kaufe. Aber umso mehr ich mich mit dem Thema beschäftige, umso mehr bzw. umso öfter denke ich, dass gar nicht kaufen eigentlich das Einzig nachhaltige ist.

Schaue ich nochmal auf die Definitionen vom Beginn des Textes „natürliche Regenerationsfähigkeit“ oder „zukünftige Generationen Bedürfnisse befriedigen“, dann ist gebraucht kaufen vielleicht doch die Lösung, denn dadurch sollte dies weitestgehend erfüllt sein. Wenn jetzt aber plötzlich die gesamte Menschheit gebraucht kauft und nicht mehr neu, gäbe es irgendwann keine Produkte mehr. Dann geht es wieder darum etwas zu produzieren und zu kaufen, was die natürliche Regenerationsfähigkeit aufrecht erhält – doch bis wann ist diese gegeben? Ist es noch natürlich, wenn wir kaufen kaufen kaufen, z.B. Holzmöbel, die Wälder dafür abgeholzt werden, um dann durch Menschenhand wieder aufgeforstet zu werden? Darauf habe ich für mich für den Moment noch keine Antwort.

Ich glaube an vielen Stellen lässt sich die Welt und unser Handeln nicht in schwarz und weiß einteilen, wie ich das für mich immer wieder versuche. Am Ende sind wir ja auch auf der Welt, um eine schöne Zeit zu haben, das kann ja auch nicht bedeuten, dass wir uns gar nichts mehr gönnen. Ich denke es ist an vielen Stellen ein Drahtseilakt und insgesamt wichtig, dass wir unseren Konsum ständig kritisch hinterfragen, nicht einfach aus Lust am Kaufen kaufen, sondern getreu dem Motto der Minimalismus-Szene „Does it sparkle joy“ agieren. Wenn wir dann noch den Blick auf die Zukunft halten, versuchen möglichst nachhaltig produziert zu kaufen bzw. gebraucht, dann haben wir zumindest schon einen großen Schritt gemacht.

So, jetzt habe ich viel geredet und wenig gesagt. Am Anfang des Beitrages dachte ich „schreibste mal einfach nen Artikel zur Nachhaltigkeit“, währenddessen habe ich schon gemerkt, dass das gar nicht so einfach ist, da ich mich hier an sehr vielen Stellen beliebig vertiefen könnte. Deswegen belasse ich es für den Moment mit einem Rundumschlag. Zu gegebener Zeit werde ich sicher einige Themen dieses Beitrages nochmal aufnehmen und weiter vertiefen.

Wie steht ihr dazu, wie definiert ihr den Begriff „nachhaltig“ und wie geht ihr mit inneren Gewissenskonflikten um? Hinterlasst mir gerne einen Kommentar und Anregungen für weitere Beiträge.

Quellen:
[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Nachhaltigkeit
[2] Volker Hauff (Hrsg.), Unsere gemeinsame Zukunft. Der Brundtland-Bericht der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung, Greven 1987, S. 46.
[3] https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/nachhaltigkeit-41203

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