Die natürliche Ernährung des Menschen Teil 1 – 9 Fakten & Tipps für eine natürlichere Ernährung

Eine natürliche Ernährung des Menschen – gibt es diese heutzutage überhaupt noch?

Ich glaube die meisten von euch kennen das Argument von Nicht-Veganern die da behaupten eine vegane Ernährung ist total unnatürlich und der Mensch auf Fleisch angewiesen, da diese die natürlichste Ernährungsform sei. Soja ist sowieso schlecht und rodet den Regenwald und überhaupt essen Veganer ja den Fleischessern das Essen weg….ich glaube ich könnte einen ganzen Beitrag mit doofen und unwahren Bemerkungen zu veganer Ernährung füllen, aber zurück zum Thema.

Leider ist unsere Ernährung heute total weit von Natürlichkeit entfernt, egal ob Mischkost, Vegetarisch oder Vegan. Daher möchte ich euch in Teil 1 dieses Themas ein paar Fakten liefern, warum unsere Ernährung heute so unnatürlich ist, unabhängig von der Ernährungsform. Zudem versuche ich euch mit ein paar Ideen aufzuzeigen welche Kleinigkeiten wir umsetzen können, um zumindest wieder ein Stückweit natürlicher zu essen. In Teil 2 gehe ich dann vor allem auf die Ernährungshistorie und -physiologie des Menschen ein, sowie der Antwort nach der Frage, ob der Mensch von Natur aus eher ein Fleisch-, Alles-, oder Pflanzenfresser ist.

Natürlich - Supermärkte sind voll von Fertigprodukten
Beispielabteilungen eines Supermarktes
Natürlich - Supermärkte sind voll mit Fertigprodukten

Die Frage nach der natürlichen Ernährungsweise des Menschen – 9 Fakten die heutzutage leider auf eine Unnatürlichkeit hindeuten

  1. Nahrungsmittel sind heute oft industriell stark verarbeitet, enthalten hochverarbeitetes Mehl, Industriezucker, gesättige Fette und viele andere ungesunde Stoffe .
  2. Die immer weiter steigende Massentierhaltung führt zu einem deutlich höheren Fleisch und Milchprodukteverbrauch, als es noch bei unseren Vorfahren der Fall war, die nur so viel verzehrten, wie sie „erlegen konnten“.
  3. Durch die große Bandbreite verarbeiteter Lebensmittel kommt es zu einer vermehrten Aufnahme hochverarbeiteter und hochkalorischer Lebensmittel welche in der Regel ballaststoffarm und mikronährstoffarm sind, sodass auch in Inudstriestaaten oft Mangelernährungen und Mangelerscheinungen auftreten, nur eben eher hinsichtlich der Mikronährstoffe (Vitamine, Mineralstoffe,…) und nicht der Makronährstoffe (Fette, Kohlenhydrate, Proteine).
  4. Auch in der Steinzeit gab es nicht „die eine bestimmte“ Ernährungsform des Menschen, vielfach ist heutzutage gar nicht bekannt was die Menschen damals gegessen haben. Zudem existieren vieler der damaligen Früchte, Gemüse und Tierarten heute (teilweise) nicht einmal mehr. [1]
  5. Durch die immer weiter ansteigende Globalisierung kommt unser Essen oft aus weit entfernten Ländern und Kontinenten. Zum einen steht uns dadurch alles jederzeit zur Verfügung, zum anderen kommen wir in unseren Breitengraden dadurch in den Genuss von Lebensmitteln, die die Menschen früher nie zur Verfügung hatten.
  6. Sowohl die Technik, wie z.B. Gewächshäuser oder beheizbare Felder als auch die „Manipulation“ von Pflanzen führen dazu, dass auch in Deutschland heimische Obst- und Gemüsesorten immer länger Saison haben können. Denkt z.B. an Erdbeeren – als ich klein war waren diese zu meinem Geburtstag meist schon nicht mehr frisch vom Feld nebenan zu haben (ich habe Mitte Juli Geburtstag) – inzwischen gibt es diese aber bis weit in den August hinein.
  7. Aufbauend auf Punkt 6 – inzwischen gibt es immer mehr Pflanzen, die dank Züchtung inzwischen auch in Deutschland prima kultiviert werden, obwohl diese hier sonst nicht heimisch waren. Mir fallen hier spontan Beluga-Linsen ein – diese kommen eigentlich aus Nordamerika, mein Hofladen baut diese mittlerweile aber auch selbst an.
  8. Lebensmittel sind für uns jederzeit verfügbar, wir müssen in der Regel keinen Hunger leiden, sondern einfach an den Kühlschrank gehen und unser Essen nicht selbst anbauen oder erlegen.
  9. Wir wissen oftmals gar nicht was wir eigentlich essen oder wo unser Essen herkommt, da wir durch die „selbstverständlich dauerhafte“ Verfügbarkeit überhaupt nicht darüber nachdenken müssen. Unsere Vorfahren wussten sehrwohl welches Tier sie gejagt und erlegt haben oder welches Gemüse geernetet wurde und sie konnten auch eben nur so viel Essen, wie sie erwirtschaften konnten.

Wie ihr anhand der Punkte seht ist es erstmal total egal welche Ernährungsform gelebt wird – die Punkte lassen sich eigentlich auf alle Formen anwenden. Na endlich haben wir alle mal etwas gemeinsam 🙂 Und nun schauen wir mal welche Möglichkeiten es ggf. gibt, um zumindest ein wenig mehr zur Natürlichkeit zurück zu finden. Auch das gilt im übrigen für alle Formen der Ernährung.

Unverarbeitet und auch in Deutschland heimisch

9 Tipps & Anregungen für eine natürlichere Ernährungsform

  1. Kauft und esst regional & saisonal, denn so konsumiert ihr einen Großteil der Nahrung, die „natürlicherweise“ in euren Breitengraden vorkommt. Das gilt neben Obst und Gemüse übrigens auch für Getreide, Nüsse, Samen, Kerne,…. 😉
  2. Achtet bei Obst- und Gemüse auch darauf, ob diese evtl. aus beheizbaren Gewächshäusern o.ä. stammen – oftmals wird diese Ernte als regional & saisonal gekennzeichnet, verursacht durch das Gewächshaus aber mehr CO2-Emissionen als importierte Ware.
  3. Kocht und backt selbst und frisch aus möglichst wenigen und vor allem unverarbeiteten Zutaten. Gerade mit heimischem Gemüse, Getreide, Samen, Kernen, Hülsenfrüchten etc. lassen sich super leckere, gesunde vegane Gerichte zubereiten.
  4. Kauft und esst verarbeitete Lebensmittel in Maßen und mit Genuss – das gilt leider auch für viele leckere vegane Ersatzprodukte, die oft hochverarbeitet sind.
  5. Bei verarbeiteten Produkten ist es hilfreich darauf zu achten, dass die Zutatenliste nicht zu lang ist. Auch ich esse Sojajoghurt, der ja nunmal auch ein verarbeitetes Produkt ist, aber es gibt zumindest Hersteller, bei denen nur Soja und Wasser mit Joghurtkulturen zum Einsatz kommen.
  6. Reduziert euren Süßigkeitenkonsum – leider sind diese meist sehr weit von Natürlichkeit entfernt (Ausnahmen gibt es natürlich).
  7. Esst generell mit Bedacht und Genuss – die permanente Verfügbarkeit von allem führt schnell dazu, dass wir mehr Essen als eigentlich nötig.
  8. Wenn ihr irgendwie die Möglichkeit habt, baut ein paar Lebensmittel selbst an. Gerade Kräuter kann jeder in seiner Wohnung aufziehen.
  9. Falls ihr Sojaprodukte esst achtet darauf, dass das verwendete Soja aus Europa kommt. Entgegen der landläufigen Behauptung Veganer mit ihrem Sojakonsum roden den Regenwald wird nämlich 80-90% des weltweit angebauten Sojas für die Nutztierhaltung verwendet…. und das Soja in Tofu und Co. kommt tatsächlich oft aus Österreich oder Frankreich.

Natürlich – gibt es das überhaupt?

Leider ist „natürlich“ auch einfach ein schweres Wort und heutzutage kaum möglich. Die Industrialisierung hat enorm dazu beigetragen, dass Lebensmittel unter ganz neuen Bedingungen angebaut werden können, sodass sich viele Pflanzen und deren Früchte auch in anderen Klimazonen und Gebieten wohlfühlen, als herkömmlicherweise. Aber ich finde es ist besser etwas regionales zu essen, was neuerdings hier wächst, als etwas, das von weit weg kommt und zusätzlich durch den Transport noch CO2 verursacht. Auch esse ich lieber etwas leicht verarbeitetes aber veganes, als etwas scheinbar unverarbeitetes, aber dafür tierisches. Am Ende stehe ich auch hier oft vor meinem inneren Konflikt hinsichtlich der Nachhaltigkeit. Und auch diesbezüglich muss ich mir wieder vor Augen halten, dass die Welt nicht einfach schwarz / weiß ist, sondern es noch viele Farben dazwischen gibt und Essen sowie das Leben auch Spaß machen sollen. Also keine Stigmatisierung sondern einen gesundenn Mittelweg – es geht wie bei vielem nicht um ganz oder gar nicht. Jeder Schritt zählt.

Bis dahin… guten Appetit 😉

Quellen:
[1] Die Punkte 1-4 stammen aus meiner Ausbildung bei der ecodemy® aus dem Lernskript Teil 2 „Entwicklungsgeschichte der Ernährung des Menschen“

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